Feldmarken-Verbund - Bürgerinitiative "Wohnqualität im Grünen"

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

Feldmarken-Verbund

BIWiG deckt auf !

... Verbindung zwischen Osdorfer und Sülldorfer Feldmark:
Nur über Schenefelder Gebiet
[siehe das 3. Thema auf unserer Homepage]


Die Osdorfer Feldmark gehört zu Hamburg, ebenso wie die Sülldorfer Feldmark. Verbunden sind beide Gebiete durch ein Stück Schenefelder Fläche. Besser gesagt: Sie sind noch verbunden, denn Schenefeld hat schon mehrere Versuche unternommen, diese Verbindung zu kappen.


Der Bezirk Altona hat erkannt, welche Bedeutung die Feldmarken für die Naherholung der EinwohnerInnen des Osdorfer Borns, Sülldorf
s, Iserbrooks und sogar Schenefelds haben. Wer selbst einmal per Fahrrad oder zu Fuß in dem Gebiet unterwegs war, weiß die Ruhe und die Reste der noch erhaltenen Natur einschließlich der auf Hamburger Gebiet renaturierten Düpenau zu schätzen. So wurde im Mai 2014 für die Osdorfer Feldmark von der Bezirksversammlung Hamburg-Altona ein Bebauungsplan verabschiedet,der eine weitere Bebauung des Landschaftsschutzgebietes ausschließen soll [siehe „Was bisher geschah" 24.5.2014]. Die sehr gegensätzlichen Auffassungen der Naturschützer und der Landwirte führten zu einem Kompromiss. Ein vergleichbares Verfahren ist für die Sülldorfer Feldmark eingeleitet worden und wird sicher in ein ähnliches Ergebnis münden.

Bis zum Bau des Röntgen-Lasers XFEL war die Welt noch weitestgehend in Ordnung, denn Mensch und Tier konnten von der Osdorfer Feldmark über die Landesgrenze in das Schenefelder Landschaftsschutzgebiet 06 (Düpenau/Mühlenau) „wechseln" und über die Blankeneser Chaussee die Sülldorfer Feldmark erreichen. XFEL hat inzwischen einen großen Teil der Schenefelder Fläche verbraucht, aber immerhin kann man derzeit und auch noch nach Bauende (ca. 2016) das Betriebsgelände umrunden. Statt nun die geringen Restflächen auf Schenefelder Gebiet besonders zu schützen, unternahm Schenefeld schon 2009 den ersten Versuch, das Gewerbegebiet am Osterbrooksweg nach Süden in das Landschaftsschutzgebiet auszudehnen sowie ein neues Sportzentrum zu errichten. Begründung: Die Restfläche des LSG sei so unbedeutend, dass ein Schutz sich nicht mehr lohne! [siehe Verwaltungsvorlage VO/670/283/09 v. 5.5.2009 zur ASU-Sitzung am 19.5.09]

Das hat damals die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Pinneberg verhindert, weil sie die Bedeutung des Gebietes erkannt hatte, u.a. unter Hinweis auf die Wichtigkeit als länderübergreifendes Naherholungsgebiet. So hat sie mehrfach betont, dass die Ziele der LSG-Verordnung auf lange Sicht ausgerichtet wären und daher nicht durch den Bau des XFEL gegenstandslos würden. Gerade jetzt müsse der konservierende Charakter des Landschaftsschutzes Wirkung zeigen. Außerdem – und das ist, wie wir jetzt wissen, angesichts des Klimawandels von zusätzlicher Bedeutung – sei die Funktion, die dieser Bereich insbesondere auf die Wirkung des Kleinklimas ausübe, abhängig vom Standort und daher auch nicht an anderer Stelle ersetzbar. Im Einzelnen sind folgende Passagen aus einem Schreiben der Unteren Naturschutzbehörde vom 18.3.2010 [hier] von besonderer Bedeutung:

„Gerade aufgrund des Eingriffs durch den XFEL ist der Erhalt des LSG 06 im Stadtbereich Schenefeld erforderlich, damit der verbliebene Flächenanteil vor weiterer Überbauung geschützt wird und seine Funktion für den Naturhaushalt ausüben kann."

„Bei der Planung des XFEL wurde die LSG-Verordnung einschl. der Verbundfunktion zur Osdorfer Feldmark in diesem Sinne berücksichtigt."

„Durch die Randzone des LSG soll ein naturräumlicher Verbund der Fließgewässer und der schützenswerten Biotope erreicht werden. (Dabei kommt es aus naturschutzfachlicher Sicht nicht darauf an, ob die schützenswerten Biotope auf Schenefelder oder auf Hamburger Gebiet liegen.) … zudem verbindet das LSG im Bereich Schenefeld auch im Hamburger Raum bereits bestehende Grünachsen und Erholungsgebiete miteinander."

„Die an die offene Feldmark grenzenden Flächen gemäß den Kriterien nach §3 (Schutzzweck) sind als LSG mit Zustimmung der Stadt Schenefeld ausgewiesen worden."

Präziser kann man kaum ausdrücken, welche Bedeutung der Kreis Pinneberg dem Schutz der Flächen beimisst.

Seitdem haben die Bestrebungen der Verwaltung nicht aufgehört, doch noch den Zugriff auf das Gelände zu erreichen. Immer wieder musste das Argument herhalten, man brauche zusätzliche Gewerbeflächen. Dabei waren und sind bis heute längst nicht alle Möglichkeiten auf vorhandenen Flächen ausgeschöpft: So ist das ehemalige SPAR-Gelände noch nicht komplett genutzt, der dazugehörige Parkplatz noch frei. Nicht zu reden von der Fläche, die frei geworden ist, weil die BürgerInnen in einem Bürgerentscheid einen eigenen Friedhof abgelehnt haben. Auch der von der Bürgermeisterin gewünschte Technologiepark am XFEL-Gelände muss hinterfragt werden, investiert doch gerade die Stadt Hamburg in Bahrenfeld auf dem DESY-Gelände 15 Millionen Euro in einen Existenzgründerbau [WELT- Artikel vom 24.10.2014] und plant einen weiteren Technologiepark am Vorhornweg in Lurup.

Beispielhaft hingegen ist, was zu diesem Thema Hamburger PolitikerInnen denken: siehe die Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Anne Krischok (SPD), die den Hamburger Senat konkret zu dem Problem der drohenden Verbindungsunterbrechung befragt [hier]. Selbst die Antwort des Hamburger Senats zeigt die Besorgnis, auch wenn politische Rücksichtnahme wegen der Ländergrenze eine deutlichere Stellungnahme erschwert.

Dass auch Hamburger BürgerInnen das Schenefelder Vorgehen kritisieren und nicht mehr verstehen, kann man in einem Artikel des „Westwind" vom November 2014 [hier] nachlesen. Dort wird Dr. Gerhard Jarms, Vorsitzender des Osdorfer Bürger- und Heimatvereins  und herausragender Biologe, in einem Interview zum Feldmarkenverbund zitiert: „Problematisch ist in diesem Zusammenhang die ‘Verinselung‘ des Biotops aufgrund von Ignoranz gegenüber der Bedeutung der Grünachse auf Schenefelder Seite; die Verbindung zum Klövensteen ist unterbrochen".


Es ist an Absurdität nicht zu überbieten, wenn nur wegen unterschiedlicher Zuständigkeiten in Hamburg oder Kiel bzw. Schenefeld gemeinsame Interessen über Bord geworfen werden, obwohl alle immer vollmundig von der Metropolregion sprechen und beide Seiten das Gebiet als naturräumliche Einheit verstehen. Es ist überfällig, dass Schenefeld seine eigenbrötlerische Haltung aufgibt und nicht nur von der angrenzenden Großstadt profitieren will, sondern auch einmal zurückgibt. In Zeiten eines zusammenwachsenden Europas ohne Grenzen ist das Denken in innerdeutschen Ländergrenzen ein Anachronismus.

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü